Modelle

Welches Kassenmodell spart am meisten? Standard, Hausarzt, HMO, Telmed

Verschiedene Versicherungsmodelle symbolisiert durch medizinische Fachpersonen

Grundlagen: Was ist ein Versicherungsmodell?

In der schweizerischen Grundversicherung (OKP) können Sie zwischen verschiedenen Versicherungsmodellen wählen. Sämtliche Modelle bieten denselben gesetzlich vorgeschriebenen Leistungskatalog. Der Unterschied liegt einzig darin, wie Sie auf medizinische Versorgung zugreifen – konkret: an wen Sie sich zuerst wenden, wenn Sie ärztliche Hilfe benötigen.

Indem Sie auf die völlig freie Arztwahl verzichten und sich an bestimmte Abläufe halten, belohnt Sie die Krankenkasse mit einem Prämienrabatt. Je stärker die Einschränkung, desto grösser die Ersparnis. Die vier gängigen Modelle unterscheiden sich wie folgt:

Leistungen bleiben identisch

Unabhängig vom gewählten Modell erhalten Sie sämtliche Leistungen der Grundversicherung: Arztbesuche, Spitalaufenthalte, Medikamente, Laboruntersuchungen, Physiotherapie und alle weiteren im KVG definierten Behandlungen. Das Modell beeinflusst lediglich den Zugangsweg, nicht den Leistungsumfang.

Das Standardmodell – volle Freiheit, voller Preis

Im Standardmodell haben Sie uneingeschränkte Arztwahl. Sie können jederzeit einen Spezialisten direkt aufsuchen, ohne vorher einen Hausarzt oder eine Hotline zu konsultieren. Dafür bezahlen Sie die volle, unrabattierte Prämie.

Vorteile

Nachteile

Geeignet für: Personen, die häufig verschiedene Spezialisten aufsuchen, in einer ländlichen Region ohne HMO-Praxis leben oder auf grösstmögliche Flexibilität Wert legen.

Das Hausarztmodell – der bewährte Kompromiss

Im Hausarztmodell verpflichten Sie sich, bei gesundheitlichen Beschwerden zunächst Ihren fest registrierten Hausarzt zu konsultieren. Dieser überweist Sie bei Bedarf an Spezialisten. Notfälle sind selbstverständlich ausgenommen – bei einer akuten Situation dürfen Sie direkt ins Spital oder zum Notfallarzt.

Prämienrabatt

Je nach Versicherer liegt der Rabatt beim Hausarztmodell zwischen 8 und 18 Prozent. Bei einer Standardprämie von CHF 440 monatlich ergibt das eine Ersparnis von CHF 35 bis CHF 79 pro Monat, also CHF 420 bis CHF 948 im Jahr.

Vorteile

Nachteile

Geeignet für: Personen, die sowieso immer denselben Hausarzt aufsuchen – laut Statistiken betrifft das rund 70 Prozent der Bevölkerung.

HMO-Gruppenpraxis – maximale Ersparnis

Das HMO-Modell (Health Maintenance Organization) verpflichtet Sie, bei gesundheitlichen Anliegen zuerst eine bestimmte Gruppenpraxis aufzusuchen. Die Ärzte dieser Praxis arbeiten als Team und behandeln Sie interdisziplinär. Überweisungen an externe Spezialisten erfolgen nur, wenn die Gruppenpraxis die Behandlung nicht selbst durchführen kann.

Prämienrabatt

Das HMO-Modell bietet den höchsten Prämienrabatt aller Modelle: typischerweise 14 bis 27 Prozent. Bei einer Standardprämie von CHF 440 bedeutet das eine Ersparnis von CHF 62 bis CHF 119 monatlich, also CHF 744 bis CHF 1'428 pro Jahr.

Vorteile

Nachteile

Geeignet für: Versicherte in städtischen Gebieten (Zürich, Bern, Basel, Luzern, St. Gallen), die bereit sind, sich an eine Gruppenpraxis zu binden. Mehr zur Grundversicherung und ihren Modellen erfahren Sie auf unserer Übersichtsseite.

Telmed – digitale Erstberatung

Das Telmed-Modell (auch Telemedizin-Modell genannt) schreibt vor, dass Sie bei gesundheitlichen Beschwerden zunächst eine telefonische oder digitale Beratung in Anspruch nehmen. Ein medizinisches Fachteam beurteilt Ihre Situation und leitet Sie – falls nötig – an den passenden Arzt oder ins Spital weiter.

Prämienrabatt

Der Rabatt liegt in der Regel zwischen 11 und 22 Prozent. Bei einer Standardprämie von CHF 440 sparen Sie CHF 48 bis CHF 97 monatlich, also CHF 576 bis CHF 1'164 im Jahr.

Vorteile

Nachteile

Geeignet für: Junge, gesunde Versicherte, die selten zum Arzt gehen und mit digitaler Kommunikation vertraut sind. Auch für Personen in ländlichen Regionen attraktiv, da HMO dort oft nicht verfügbar ist.

Direktvergleich aller vier Modelle

Nachfolgend ein konkreter Zahlenvergleich für eine erwachsene Person im Kanton Solothurn mit Franchise CHF 300:

Modellvergleich Kanton Solothurn, Erwachsene, Franchise CHF 300 (2026)
ModellGünstigste Kasse/Mt.Mittlere Prämie/Mt.Ersparnis ggü. Standard/Jahr
StandardCHF 387CHF 449
HausarztCHF 334CHF 391CHF 696
HMOCHF 302CHF 358CHF 1'092
TelmedCHF 319CHF 374CHF 900

Richtwerte 2026. Die exakten Tarife variieren nach Versicherer und Prämienregion.

Die Tabelle zeigt deutlich: Zwischen dem teuersten Standardtarif und der günstigsten HMO-Kasse liegen über CHF 1'760 pro Jahr. Doch selbst der Wechsel vom Standard- ins Hausarztmodell bei derselben Kasse bringt bereits eine spürbare Entlastung.

Unser Rat: Fragen Sie sich ehrlich, wie oft Sie im vergangenen Jahr einen Spezialisten ohne Überweisung aufgesucht haben. Wenn die Antwort «selten» oder «nie» lautet, bezahlen Sie im Standardmodell einen Aufpreis für eine Freiheit, die Sie gar nicht nutzen. Prüfen Sie jetzt Ihr Sparpotenzial im Preisvergleich.

Kombination mit hoher Franchise

Die stärkste Ersparnis erzielen Sie durch die Kombination eines günstigen Modells mit der höchsten Franchise. Ein Beispiel: Wer im Kanton Solothurn vom Standard (CHF 449, Fr. 300) zum HMO-Modell mit Franchise CHF 2'500 wechselt, kann seine Prämie auf rund CHF 241 monatlich senken – eine Differenz von CHF 208 pro Monat oder CHF 2'496 im Jahr.

Welches Modell bei häufigen Arztbesuchen?

Personen mit chronischen Erkrankungen oder regelmässigem Behandlungsbedarf profitieren am meisten vom Hausarztmodell. Dort haben sie einen festen Ansprechpartner, der alle Befunde koordiniert, und sparen dennoch gegenüber dem Standardmodell. Das HMO-Modell eignet sich ebenfalls gut, sofern eine Gruppenpraxis in der Nähe die benötigten Fachrichtungen abdeckt.

Modellwechsel: Fristen und Vorgehen

Der Wechsel des Versicherungsmodells ist in der Regel per 1. Januar möglich. Bei einigen Kassen ist auch ein Wechsel per 1. Juli gestattet. Informieren Sie sich bei Ihrer Kasse über die genauen Fristen. Oft genügt ein kurzes Schreiben oder ein Klick im Online-Portal. Weitere Details zum Wechselprozess finden Sie unter Kasse wechseln.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich im Notfall trotzdem direkt ins Spital?

Ja. Bei allen Modellen – Hausarzt, HMO und Telmed – gilt eine Notfallklausel. In lebensbedrohlichen Situationen oder bei akuten schweren Beschwerden dürfen Sie direkt den Notfall aufsuchen, ohne vorher Ihren Hausarzt oder die Telefonhotline zu kontaktieren.

Verliere ich Leistungen, wenn ich das Modell wechsle?

Nein. Der Leistungskatalog der Grundversicherung ist gesetzlich definiert und gilt für alle Modelle gleichermassen. Sie erhalten dieselben Arztbesuche, Medikamente, Spitalaufenthalte und Therapien – unabhängig davon, ob Sie im Standard-, Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell versichert sind.

Kann ich das Modell mitten im Jahr ändern?

Das hängt von Ihrer Krankenkasse ab. Die meisten Versicherer erlauben einen Modellwechsel per 1. Januar, einige auch per 1. Juli. Ein Modellwechsel innerhalb derselben Kasse ist oft einfacher und schneller als ein vollständiger Kassenwechsel. Fragen Sie direkt bei Ihrem Versicherer nach.