Senioren

Versicherungskosten im Alter senken – Ratgeber für Senioren

Zufriedenes Seniorenpaar prüft Krankenkassenunterlagen

Weshalb die Prämien im Alter steigen

Ab dem 55. Lebensjahr gehören Versicherte zu einer statistisch kostenintensiveren Altersgruppe. Die Gesundheitsausgaben nehmen mit dem Alter kontinuierlich zu: Während eine 35-jährige Person im Schnitt medizinische Leistungen im Wert von rund CHF 2'700 jährlich verursacht, liegen die durchschnittlichen Gesundheitskosten bei einer 60-jährigen Person bei etwa CHF 6'400 und bei einer 75-jährigen Person bei rund CHF 11'500.

Die Krankenkassen berücksichtigen diese Kostenentwicklung in ihrer Prämiengestaltung. Im Schweizer Durchschnitt bezahlen Personen zwischen 56 und 65 Jahren etwa CHF 495 monatlich für die Grundversicherung. Ab 65 steigt dieser Wert auf durchschnittlich CHF 548 pro Monat. Wer die teuerste statt die günstigste Kasse wählt, zahlt im selben Kanton bis zu CHF 3'480 mehr pro Jahr.

Grundsatz: Die Aufnahmepflicht in der Grundversicherung kennt kein Alterslimit. Auch mit 80 Jahren dürfen Sie Ihre Kasse wechseln und kein Versicherer darf Sie aufgrund Ihres Alters oder Ihres Gesundheitszustands ablehnen. Diese Garantie ist im KVG verankert.

Typische Kostenfalle: Passivität

Viele Seniorinnen und Senioren sind seit Jahrzehnten bei derselben Krankenkasse. Loyalität wird in der Grundversicherung jedoch nicht belohnt – es gibt keine Treuerabatte. Eine Person, die 30 Jahre lang bei der gleichen Kasse blieb, bezahlt exakt denselben Tarif wie ein Neukunde. Der einzige Unterschied: Langjährige Versicherte haben oft ein Modell und eine Franchise, die längst nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen.

Grundversicherung gezielt optimieren

Das richtige Versicherungsmodell finden

Viele ältere Versicherte befinden sich noch im kostenintensiven Standardmodell mit freier Arztwahl. Dabei konsultieren die meisten Personen ab 55 ohnehin regelmässig denselben Hausarzt. Der Umstieg auf das Hausarztmodell bringt in dieser Altersgruppe typischerweise einen Prämienrabatt von 9 bis 18 Prozent.

Bei einer Monatsprämie von CHF 495 bedeutet das eine monatliche Ersparnis von CHF 45 bis CHF 89. Auf ein Jahr gerechnet sind das CHF 540 bis CHF 1'068 – allein durch die Modellwahl. Eine ausführliche Gegenüberstellung aller Modelle bietet unser Beitrag Standard, Hausarzt, HMO oder Telmed.

Unfalldeckung nach der Pensionierung

Wer pensioniert ist und keiner Erwerbstätigkeit von mindestens 8 Stunden pro Woche nachgeht, muss die Unfalldeckung in der Krankenkasse einschliessen. Vor der Pensionierung hingegen kann die Unfalldeckung bei Erwerbstätigen ausgeschlossen werden, da sie über den Arbeitgeber versichert sind. Prüfen Sie Ihren Status: Der unnötige Einschluss oder Ausschluss kostet oder riskiert Deckungslücken.

Franchise ab 55: Welche Stufe passt?

Die Wahl der Franchise gewinnt mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Während jüngere, gesunde Versicherte oft mit der höchsten Franchise gut fahren, verändert sich die Kalkulation, wenn die Gesundheitskosten ansteigen.

Kostenvergleich: Franchise CHF 300 vs. CHF 2'500 für Senioren (Kanton Aargau, 2026)
Gesundheitskosten/JahrGesamtkosten bei Fr. 300Gesamtkosten bei Fr. 2'500Günstigere Option
CHF 0 (keine Arztbesuche)CHF 5'748CHF 4'356Fr. 2'500
CHF 1'200CHF 6'138CHF 5'196Fr. 2'500
CHF 3'500CHF 6'698CHF 7'156Fr. 300
CHF 6'000CHF 6'948CHF 7'406Fr. 300
CHF 10'000CHF 6'948CHF 7'406Fr. 300

Die Gesamtkosten umfassen Prämie + Franchise + Selbstbehalt (10 %, max. CHF 700). Ab dem Erreichen der Kostenbeteiligung bleiben die Gesamtkosten konstant.

Empfehlung: Falls Ihre jährlichen Gesundheitskosten regelmässig CHF 2'800 oder mehr betragen, ist die tiefste Franchise (CHF 300) finanziell die klügere Wahl. Liegen Ihre Kosten konstant unter CHF 1'500, profitieren Sie von der höchsten Franchise.

Zwischenfranchisen als Alternative

Nicht immer muss es die tiefste oder die höchste Stufe sein. Die Franchise CHF 1'000 oder CHF 1'500 bietet für Senioren mit moderaten Gesundheitskosten einen attraktiven Mittelweg: deutlich tiefere Prämie als bei CHF 300, aber ein überschaubares finanzielles Risiko im Krankheitsfall.

Zusatzversicherungen auf den Prüfstand

Viele Seniorinnen und Senioren tragen ein ganzes Bündel an Zusatzversicherungen mit sich, die sie vor Jahrzehnten abgeschlossen haben. Nicht alle davon sind im Alter noch sinnvoll.

Was Sie kritisch prüfen sollten

Einige Zusatzversicherungen verlieren mit dem Alter an Wert oder werden unverhältnismässig teuer:

Was sich für Senioren lohnen kann

Achtung: Im Gegensatz zur Grundversicherung besteht bei Zusatzversicherungen keine Aufnahmepflicht. Ein Wechsel oder Neuabschluss kann im Alter mit einer Gesundheitsprüfung und allfälligen Vorbehalten verbunden sein. Kündigen Sie deshalb bestehende Zusatzversicherungen nie, bevor die neue Versicherung schriftlich bestätigt ist.

Kassenwechsel als Senior – ohne Risiko

Schritt-für-Schritt zum neuen Versicherer

Der Wechsel der Grundversicherung ist auch im Alter unkompliziert und risikofrei. Gehen Sie wie folgt vor:

  1. Prämien vergleichen: Nutzen Sie den kostenlosen Vergleich auf krankenkassen-preisvergleich.ch und geben Sie Ihre Postleitzahl, Ihr Geburtsjahr und Ihr Wunschmodell ein.
  2. Neue Kasse wählen: Beantragen Sie den Beitritt bei der gewünschten neuen Kasse. Diese darf Sie nicht ablehnen.
  3. Aufnahmebestätigung abwarten: Erst wenn Sie die schriftliche Bestätigung der neuen Kasse haben, kündigen Sie bei der alten.
  4. Kündigung per Einschreiben: Senden Sie das Kündigungsschreiben bis spätestens 30. November an Ihre bisherige Kasse.

Erfahrungsbericht: Heidi aus Aarau

Heidi (67) bezahlte seit 14 Jahren CHF 537 monatlich im Standardmodell bei der gleichen Kasse. Nach einem Preisvergleich wechselte sie zum Hausarztmodell bei einem günstigeren Anbieter. Neue Prämie: CHF 413 monatlich. Das entspricht einer Jahresersparnis von CHF 1'488. Da sie ohnehin immer dieselbe Hausärztin aufsucht, hat sich für sie im Alltag nichts verändert.

Häufig gestellte Fragen

Kann mich eine Krankenkasse wegen meines Alters ablehnen?

In der Grundversicherung: Nein, niemals. Es herrscht eine gesetzliche Aufnahmepflicht ohne Gesundheitsprüfung. Bei Zusatzversicherungen gelten andere Regeln – dort können Versicherer Anträge ablehnen oder Vorbehalte anbringen.

Lohnt sich ein Kassenwechsel noch mit 70+?

Ja. Die Prämienunterschiede sind gerade bei älteren Versicherten besonders gross, da die absoluten Beträge höher sind. Eine Differenz von CHF 120 pro Monat ist keine Seltenheit. Das ergibt CHF 1'440 Ersparnis pro Jahr – bei identischen Leistungen.